Warum ich sterben möchte…

Es fing ungefähr mit 16 Jahren an, dass der Wunsch in mir aufkam, tot zu sein. Ich wollte sterben. Ich war so unglücklich, dass ich Nachts im Bett lag, mich unter meiner Decke verkroch und immer wiederholte „Ich will sterben“. Dabei weinte und verkrampfte ich viel und gleichzeitig entstand in mir eine Leere, ein schwarzes Loch, dass alles aufzusaugen schien. Während ich den Satz „Ich will sterben“ wiederholte, stellte ich mir vor, wie erlösend der Tod für mich sei. Ich müsste keine Schmerzen mehr erleiden, die mir durch die Ungerechtigkeit in der Welt widerfahren. All mein Leid hätte dann ein Ende, es wäre die Erlösung für mich, dachte ich mir.

Zurückblickend kann ich sagen, dass ich sehr viel dafür tat, um es anderen recht zu machen. Ich wollte keinen Streit, ich sehnte mich nach Liebe und tat alles dafür, um ein Feld der Harmonie um mich herum zu erzeugen.

Umso schlimmer waren die Momente für mich, wenn ich dann wieder Nachts im Bett lag und diese Bilder der Ungerechtigkeit vor meinem geistigen Auge hatte: Krieg, Ausbeutungen, Betrüger, Vergewaltiger, Mörder. Und auch die Streitigkeiten innerhalb meiner Familie setzten mir so zu, dass ich nicht mehr sein wollte. Das wiederholte Schreien bei Streitereien zu Hause löste in mir aus, dass ich mich noch mehr zurückzog. So hatte ich mir das Leben nicht vorgestellt!

Und ich sah keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es eine Lösung gäbe, welche die Welt gerechter machen würde und dafür sorgen würde, dass Krieg, Hass und Wut von dieser Welt verschwinden würden. Ich fühlte mich machtlos und den Situationen und Umständen hilflos ausgeliefert. Diese Gedanken sorgten dafür, dass mein Leid noch größer wurde und mein Wunsch nach noch mehr Liebe und Harmonie stetig wuchs.

Und immer wieder Nachts im Bett liegend kam dieser Satz: „Ich will sterben“.

Zwanzig Jahr lang.

Jede Nacht? Nein. Oft? Ja.

Es war für mich wie eine Bitte. Eine Bitte, dass der Tod mich erlöst.

Wenn es besonders schlimm war, wenn der Wunsch nach dem Tode und nach dem Ende des Leidens besonders groß war, stellte ich mir vor, dass ich bei hohem Tempo mit meinem Auto gegen eine Autobahnbrücke fahren und so das Leben hier endlich beenden könnte.

Es waren drei Gedanken, die mich davon abhielten es zu tun:

  1. Mein armes Auto. Ich liebe mein Auto und es wäre wirklich schade um das gute Stück.
  2. Das kann ich meiner Mutter nicht antun. Ich würde damit ihr Leben zerstören, sie würde nie wieder glücklich werden können.
  3. Was ist, wenn ich jemand Unschuldigen in Mitleidenschaft ziehe, weil er zum Beispiel in meine Autotrümmer rast?

Nein, das ging nicht.

Dabei wäre ich wirklich gerne gestorben.

Zweimal war ich sehr kurz davor es umzusetzen. Ich hatte mich wieder einmal so tief heruntergezogen, dass mir alles egal war. Alles. Ich war wieder einmal völlig überfordert. Jedesmal wenn der besagte Wunsch aufkam, war das ein einziger Hilfeschrei der Überforderung.

Mit anderen über meinen Gedanken und Ängste zu sprechen, kam mir nicht in den Sinn. Und mir Hilfe und Unterstützung zu suchen erst recht nicht. Es war keine Option für mich. Teilweise hat dieser Gedanke gar nicht existiert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Menschen gäben könnte, die mich verstehen würden. Und ich hatte Angst vor dem, was das für Konsequenzen mit sich ziehen könnte, wenn ich jemandem mitteilen würde, was in mir vorgeht. Ich hatte Angst, mich mit meinem Leid zu zeigen. Ich hatte Angst vor dem, was die anderen über mich denken würden. Ich hatte Angst, mich schwach zu zeigen. Ich hatte Angst, es würde alles nur noch Schlimmer machen.

Und trotz all dem Leid in mir und um mich herum, konnte ich immer wieder etwas in mir wahrnehmen, oder eher erahnen, das mir signalisierte, dass ich es nicht tun soll. Dass ich dableiben soll. Es war nur ein kleiner Impuls, ein Gefühl, so eine Ahnungdass Selbstmord nicht die Lösung sein kann. Naja, und weiterhin meine Mutter, mein Auto und der ganze Stress für die Anderen …

Heute weiß ich, dass Selbstmord nicht die notwendige Lösung ist.

Zwanzig Jahre lang sagte ich mir diesen einen Satz und zwanzig Jahre lang habe ich diesen einen Satz missverstanden!

Ich dachte, ich wäre damit gemeint.

Ich dachte mit „Ich will sterben“ sei „Ich“ gemeint. Und damit alles, was zu mir gehört: Mein Körper, mein Geist und meine Seele. Vor allem mein Körper.

Ich dachte mit „Ich will sterben“ sei gemeint, ich müsste das irdische Leben hier beenden. Ich dachte, das wäre der einzige Weg, damit ich kein Leid mehr erfahren müsste.

Ein großer Irrtum.

Und dieser Irrtum ist der Grund meines Leidens gewesen.

Jetzt weiß ich, was wirklich damit gemeint ist:

Mein Ich will sterben.

Das, was sich „ich“ nennt, will sterben.

Doch ich bin mehr als dieses „Ich“!

Das was sich definieren muss, um zu wissen was es ist, will sterben.

Das was nicht real ist, will sterben.

Das was gar nicht wirklich existiert, will sterben.

Doch ich bin auch das, was existiert und das will  leben – das IST das Leben selbst!

Es will sterben, weil es gar nicht existiert.

Es will sterben, damit es sich selbst erfahren und erkennen kann.

Mein Ich will sterben und es hat alles dafür getan, um sich durch diesen Tod selbst zu zerstören.

Ohne es zu wissen, hat mein Ich seinen eigenen Selbstmord in die Wege geleitet.

Und dann ist es gestorben, mein Ich.

Durch das Erkennen was es ist und was es nicht ist, hat es hat sich selbst zerstört.

Und es war der schönste Moment in meinem Leben.

Es ist im Endeffekt nicht wirklich gestorben, weil es ja gar nicht existierte. Wie soll etwas sterben, das nicht existiert? Das ist das Paradoxe. Es ist und es ist nicht. Damit wird es eins und es gibt kein Ich und kein Nicht-Ich mehr.

Genauso wie es paradox ist, dass das „Ich“ Angst vor dem Sterben hat, weil es denkt, dass es dann nicht mehr existiert (was es ja auch jetzt schon nicht tut).

Und gleichzeitig führt die Angst vor dem Sterben das „Ich“ genau da hin, dass es stirbt.

Wenn ich bereit bin, durch diese Angst zu gehen, wenn ich innerlich bereit bin zu sterben, dann kann ich das Entdecken, was hinter der Angst, hinter dem „Ich“ liegt.

Die Verwechslung, die falsche Identifizierung des „Ichs“ hätte beinahe dazu geführt, dass mein Körper gewaltsam aus dem Leben gerissen worden wäre.

Oh, dieser große Irrtum des „Ich“.

Jetzt verstehe ich, warum ich sterben möchte. Immer und immer wieder. Jetzt habe ich erkannt: Mein Ich möchte sterben – um im wahren Leben anzukommen.

Es veränderte alles.

Die Grundlage der Angst will entlarvt werden, als ein Gedankenkonstrukt, das nichts mit der Realität zu tun hat.

Mein Ich schreit jedesmal danach, dass dieser Irrtum doch bitte erkannt wird, damit er ein Ende hat.

Ich darf die Verantwortung übernehmen und mich meinen Ängsten stellen und sie so als unwahr entlarven.

Ich darf mir bewusst machen, dass es immer Lösungen gibt, auch wenn ich sie noch nicht kenne.

Ich lade dich ein, diesen Text noch einmal zu lesen. Ersetzte diesmal allerdings jedes „Ich“ durch „Mein Ich“ und bemerke den Unterschied.

„Warum mein ich sterben möchte“

Bist du depressiv oder hast du Selbstmordgedanken?

Bitte nimm dich ernst und verstecke dich nicht aus falscher Scham. Du bist in Ordnung so wie du bist!

Du kannst dich jederzeit kostenlos, unverbindlich und anonym an die Telefonseelsorge wenden.

www.telefonseelsorge.de

Kostenlose Hotline rund um die Uhr: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222

Lass dir von Menschen einen Weg zeigen, um wieder aus der schwierigen Situation heraus zu kommen.

Und denke immer daran: Du bist in Ordnung so wie du bist. 

Ich liebe dich, bitte bleib uns erhalten. ❤️

Marius Schäfer

Marius Schäfer

Persönlichkeits-Coach

Durch meine eigene Lebenskrise habe ich begonnen, mich damit auseinanderzusetzen, wie ich nachhaltig positive Veränderung in meinem Leben hervorrufen kann. Alles was ich weitergebe, habe ich an mir selbst erfahren und "erprobt".

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