Wenn du dich selbst besser kennen lernen möchtest, gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, als in andere Länder zu reisen und fremde Menschen und Kulturen kennenzulernen.

Den Wohnwagen, den wir in meiner Kindheit im Taunus hatten, hatten wir nicht nur für Wochenendbesuche, sondern wir sind mit ihm auch quer durch Spanien, England und Schottland gefahren. Das fing an, als ich quasi noch ein Baby war und somit war es für mich von Anfang an normal, zu verreisen und mit einer fremden Sprache und anderen Kulturen konfrontiert zu werden.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mit drei Jahren das erste Mal am Meer war, im Sand mit einer Plastikeisenbahn spielte und Angst hatte, ins Wasser zu gehen. Ich konnte nicht sehen, wie tief das ist und vor allem konnte ich nicht sehen, was unter der Oberfläche ist. Nein, ins Wasser zu gehen war keine Option für mich. Kein Boden mehr unter den Füßen zu haben, das geht doch gar nicht.

Es gab so viel zu entdecken.

Es hat mir Spaß gemacht, in England in ein Geschäft zu gehen und „gud mooorning“ zu sagen. In London am Straßenrand zu stehen, während Lady Di in ihrer Kutsche zu ihrer Hochzeit fährt. Eine Höhlenführung zu machen, wo eine tote Schlange lag. Einer spanischen Tänzerin zuzuschauen … und und und.

Inzwischen blicke ich erfreut und stolz darauf zurück, über 30 Länder auf allen fünf Kontinenten bereist zu haben und in Summe gut drei Jahre meines Lebens im Ausland mit Reisen verbracht zu haben.

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
Aurelius Augustinus

Es gibt ein Beispiel, was mir immer wieder so verdeutlicht, welche Auswirkung die Erziehung auf unser Wohlbefinden hat.

Was bei uns in Deutschland eher nicht so gerne gesehen, beziehungsweise gehört wird, ist, wenn jemand hörbar die Nase hochzieht und beim Essen schlürft. Das mögen wir hier einfach nicht. Bei uns wird sich die Nase geputzt und in Stille gegessen.

In Asien, zum Beispiel Japan, gehört das Nase hochziehen und Suppe schlürfen aber zur Tagesordnung.

Es ist witziger weise genau anders herum. Nase putzen geht dort gar nicht. Du wirst dort keinen Japaner finden, der sich sichtbar auf der Straße die Nase putzt. Dafür steht er aber eventuell in der U-Bahn eine Handbreit von dir entfernt und zieht das Zeug die Nase hoch – was übrigens wie ich inzwischen gelernt habe, die gesündere Variante zum Nase putzen darstellt.

Wenn du in Japan und anderen asiatischen Ländern deine Suppe isst, dabei aber nicht superkrass laut hörbar schlürfst, dann signalisierst du damit, dass dir die Suppe nicht schmeckt. Das Schlürfen ist also ein Zeichen der Anerkennung.

Verrückt!

Bei uns ist es ein Zeichen von schlechten Manieren und dort ein Zeichen von Würdigung. Gegensätzlicher könnte es ja kaum sein.

Was bedeutet das?

Hier fühlen wir uns schlecht, wenn wir das machen, dort fühlen sie sich gut dabei.

Der Grund für das Verhalten ist erlernt. Er wurde jeweils so beigebracht.

Mein Wohlbefinden ist also davon abhängig, was mir beigebracht wurde.

Bis ich mich davon löse, was mir beigebracht wurde.

Bis ich offen dafür bin, dass beides in Ordnung ist, das beides sein darf. Dass das eine weder besser noch schlechter ist als das andere.

Dass ich gar nicht ich bin, bis ich mich von dem löse, was mir über mich beigebracht wurde.

Dass ich erst einmal alles was ich gelernt habe, liebevoll in Frage stellen darf, um dann neu, neutral, bewertungsfrei selbst die Schönheit in dem, was ich bisher abgelehnt habe, entdecken zu dürfen.

Es geht nicht darum, das was ich gelernt habe abzulehnen und dann nur noch das Gegenteil dessen zu machen.

Das wäre ja auch wieder einseitig.

Es geht darum, das zu finden, was für mich stimmig ist.

Es geht darum, dass ich mir meiner Werte bewusst werde.

Die Werte, zu denen ich stehe.

Reise!

Und daher liebe ich es, Seminare im Ausland abzuhalten. Nicht, weil ich glaube es wäre hier nicht schön. Es ist wunderschön hier und es gibt wundervolle Orte. Bei meinen Seminaren ist es mir wichtig, diesen Aspekt des Erkennens mit zu integrieren. Etwas völlig Neues kennen zu lernen und mit Dingen konfrontiert zu werden, die es bei uns so nicht gibt.

Und so möchte ich dich motivieren, zu verreisen und die Welt zu entdecken. Es muss nicht gleich eine Weltreise sein. Es kann auch der Nachbarort oder das Nachbarland sein.

Entdecke die Welt und damit dich selbst neu.

Immer und immer wieder.

Und so sende ich liebe Grüße aus Spanien, wo heute die zweiwöchige Tour auf dem Jakobsweg startet. Vielleicht treffen wir uns einmal dort.

Buen Camino.

Marius Schäfer

Marius Schäfer

Persönlichkeits-Coach

Durch meine eigene Lebenskrise habe ich begonnen, mich damit auseinanderzusetzen, wie ich positive Veränderung in meinem Leben hervorrufen kann. Meine Erfahrungen teile ich hier mit dir.

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