Ein ausgewachsener Elefant kann mit einer Kette an einen Pflock angebunden werden und er wird nicht weglaufen. Warum nimmt er nicht all seine Kraft zusammen, um sich zu befreien?

Obwohl der Elefant die Kraft hätte, sich von dem Pflock zu befreien, bleibt er gehorsam stehen und wartet darauf, dass er wieder losgebunden wird.

Warum geht er nicht einfach? Warum setzt er sich kaum zu wehr?

Wie kann es sein, dass das Tier, das wie kaum ein anderes für Größe und Stärke steht, sich nicht befreit? Er hätte die Kraft, einen Baum zu entwurzeln und ein Pflock im Boden sorgt dafür, dass er quasi willenlos stehen bleibt.

Niemand will gefangen sein, eingesperrt oder angekettet werden. Es liegt in unserer Natur, nach Freiheit zu streben. Egal ob Mensch oder Tier.

Doch der Elefant, der sich kampflos anketten lässt, wurde von klein auf trainiert und konditioniert.

Er wurde von klein auf angebunden. Als Baby war er zu schwach, sich zu befreien.

Vielleicht kannst du ihn dir bildlich vorstellen, den kleinen Babyelefanten, wie er sich wehrt. Wie er mit steigender Verzweiflung versucht, sich zu befreien. Wie er die Welt nicht versteht, wie er nicht versteht, was da gerade mit ihm passiert. Weil es so unnatürlich ist.

Wie in ihm die Angst und die Wut wächst, sich vielleicht bis hin zu einer Panik steigert, weil er es nicht schafft, sich zu befreien.

Tag für Tag das gleiche Spiel.

Und vielleicht kannst du sehen, wie seine Kräfte mit jedem Tag schwinden, weil er einfach zu klein, zu schwach ist für diese starken Fesseln und den für ihn zu großen Pflock.

Was bleibt ihm jetzt noch übrig?

Irgendwann gibt er erschöpft auf. Er hat keine Kraft mehr, sich zu wehren und akzeptierte das Einzige, was ihm noch bleibt: Ohnmacht.

Ohnmacht ist das Gefühl von Machtlosigkeit.

 

Der Kleine hat nun gelernt, dass er keine Macht mehr hat in dieser Welt. Dass er nicht genug Kraft hat, so einen Pflock aus der Erde herauszuziehen.

Er flieht später nicht, weil er nicht glaubt, dass er es kann.

Und das, obwohl er inzwischen die Kraft und Stärke hat.

So stark ist das Gefühl der Ohnmacht in ihm verankert.

Zu stark ist die Erinnerung an die Schmerzen, die bei den Befreiungsversuchen auftraten.

Er kommt nicht auf die Idee, es zu versuchen.

Er hat sich nie wieder getraut, sich seiner Kräfte zu bedienen.

Das Elefantenbaby hat gelernt: „Ich kann das nicht. Ich schaffe das nicht. Egal wie sehr ich mich auch anstrenge.

Und Elefanten sagt man nach, dass sie ein besonderes Gedächtnis haben.

Kommt dir das bekannt vor?

 

Fühlst du dich auch manchmal gefangen und gefesselt, obwohl die Kraft zur Befreiung da ist?

Uns ist es als Baby nicht viel anders ergangen als dem Elefantenbaby. Es ging gar nicht anders, denn zu unserem Schutz brauchten wir Grenzen.

Als Baby wäre ich aus einem offenen Fenster geklettert – im dritten Stock. Ich wäre auf die Straße gelaufen, wo viel Verkehr ist. Ich hätte meine Hand ins Feuer gehalten, ich hätte alles umgestoßen, verschüttet, kaputt gemacht … jeder Elternteil wird ein Lied davon singen können. Ich hätte mir selbst und anderen geschadet.

So hört ein Baby immer wieder, ja fast schon pausenlos „Nein“ oder „Das kannst du noch nicht“. Und es ist aus Erwachsenensicht völlig logisch. Wie fühlt sich das Baby dabei?

Hinzu kommen noch die Grenzen, die einem Kind aus Angst gesetzt werden. „Kletter da nicht hoch, das ist zu gefährlich.“

Als Drittes kommen noch die Pflöcke hinzu, die wir uns selbst gesetzt haben. Wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert hat, dann gaben wir zu schnell auf und haben uns gedacht: „Das schaffe ich nie.“

Hallo Ohnmacht.

Welches sind deine Elefantenfesseln?

 

Das Gemeine an diesen Fesseln ist ja, dass sie uns unbewusst fesseln.

Der Elefant wird sich nicht denken: „Ach, ich bin stark genug, aber ich lass das mal.“

Und so wirken auch in jedem von uns diese mentalen Fesseln und schränken uns in unserer natürlichen Freiheit ein.

Sie stellen sich den Impulsen und Herzenswünschen einfach in den Weg.

Deine Elefantenfesseln erkennst du daran:

  • Ich kann nicht …
  • Das macht man so …
  • Das gehört sich nicht …
  • Das war schon immer so …
  • Die Gesellschaft akzeptiert das nicht …
  • Dann denken die anderen schlecht über mich …

Die hartnäckigste Fessel dabei ist: „Ich kann das nicht.“

Doch, du kannst!

 

Das, was du zur Befreiung brauchst, hast du bereits in dir!

Es darf dir wieder bewusst werden.

Erlaube dir wieder, mutig zu sein.

Erlaube dir wieder, deinem Willen die Kraft zu geben und tue es.

Erlaube dir wieder, zu scheitern.

Erlaube dir wieder, Schmerz zu erfahren.

Erlaube dir wieder, wie der kleine Elefant zu sein, der nicht eingesperrt werden wollte.

Du bist jetzt erwachsen!

Du bist jetzt ein ausgewachsener Elefant.

Gib du als Erwachsener nun dem Kleinen die Kraft, die er sich damals gewünscht hatte.

Kombiniere die Impulse und Wünsche des Kleinen mit der Kraft des Großen!

Lass Liebe, Verständnis und Empathie das verbindende Element sein.

 

Stück für Stück

 

„Erlaube dir zu scheitern“ bedeutet, dass du es nicht sofort schaffen musst. Erlaube dir, Schritt für Schritt, Ruck für Ruck, dich wieder an deine Kräfte zu erinnern.

So lockert sich nach und nach der Pflock.

Setze dir kleine Ziele für den Anfang.

Oder reiße mit einem Ruck Bäume aus.

Erlaube dir, wieder zu scheitern.

Erlaube dir, wieder Schmerz zu erleiden.

Erlaube dir, in deine Kraft zu kommen.

Erlaube dir, frei zu kommen.

Sprenge deine Fesseln.

Nur du kannst das tun.

Und du kannst es!

Ich bin bei dir.

Ich unterstütze dich.

Marius Schäfer

Marius Schäfer

Persönlichkeits-Coach

Durch meine eigene Lebenskrise habe ich begonnen, mich damit auseinanderzusetzen, wie ich positive Veränderung in meinem Leben hervorrufen kann. Meine Erfahrungen teile ich hier mit dir.

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